Ein Nordlicht mit Rüssel

Wenn man an Antilopen denkt, hat man unwillkürlich die weiten Steppen Afrikas vor Augen. Oder vielleicht auch dichte, feuchte Wälder, in denen scheue Ducker durchs Unterholz streichen.

Raue Steppen und Halbwüsten, in denen es in den Wintermonaten sogar schneit, hat man jedoch zumeist nicht im Kopf. Doch genau so sieht die Heimat der Saiga-Antilope aus. Jene liegt in Kasachstan, Russland und der Mongolei und zeichnet sich durch endlose Grasflächen aus.

Steckbrief

An den beigefarbenen Tieren fällt vor allem die außergewöhnliche Nase auf. Sie ist rüsselartig vergrößert und ragt nach unten über das Maul hinaus. Über ihren Nutzen gibt es verschiedene Theorien. So könnte sie die Tiere im Sommer abkühlen oder durch ihre dichte Behaarung vor Staub schützen. Sicher ist, dass Saiga über einen ausgezeichneten Geruchssinn verfügen. Abgesehen davon ähneln die Antilopen in Größe und Bau einer kleinen Ziege. Die Männchen tragen etwa 20-55 Zentimeter lange, leicht nach hinten gebogene Hörner mit dunklen Spitzen. Das dichte Fell schützt die Tiere im Winter ausgezeichnet vor Kälte und ist in dieser Jahreszeit zur Tarnung heller.
Besonders im Frühjahr bilden Saiga teils große Herden, die vor allem aus den Weibchen und ihren Jungtieren bestehen. Im Winter wiederum beginnt die Paarungszeit, in der Saiga-Böcke versuchen, möglichst viele Weibchen um sich zu sammeln. Zu diesem Zweck bestreiten sie heftige, nicht selten tödliche Kämpfe miteinander. Nach der Tragzeit gebären Saiga oft Zwillinge, die recht rasch feste Nahrung zu sich nehmen und den Adulten auf ihren Wanderungen folgen. Gleichzeitig werden sie jedoch noch monatelang gesäugt.

 

Saiga

 

Ein Wanderer mit Durchhaltevermögen

Die robusten Antilopen sind sehr gut an ihre harten Lebensumstände angepasst. Daher ertragen sie sowohl die sommerliche Hitze und Trockenheit, als auch die eisige Winterkälte der Steppe. In dieser bringen sie oft viele tausend Kilometer lange Wanderungen hinter sich, um günstige Bedingungen zu finden. Dabei haben sie ein breites Nahrungsspektrum und fressen eine Vielzahl an Pflanzen, auch solche, die Schafe verschmähen. Im Sommer sind sie imstande, ihren gesamten Wasserbedarf über sukkulente Pflanzen zu decken. Wenn auch diese vertrocknet sind, können sie tagelang nach Wasserstellen suchen ohne zu verdursten. Im Notfall sind sie sogar in der Lage Salzwasser zu trinken, ohne Schaden zu nehmen.
Die wichtigsten natürlichen Feinde stellen Wölfe dar, die vor allem geschwächte Tiere reißen. Abgesehen davon geht die größte Gefahr für die Antilopen von den Menschen aus. Zwar fordert die traditionelle Jagd aufgrund ihres Fleisches keine zu großen Verluste. Allerdings werden viele Tiere erlegt, um ihre Hörner für hohe Preise zu exportieren.

Autor: Kore (08.02.2016)

Bild: Seilov - www.ulytautour.kz/CC BY-SA 3.0

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