Jäger oder Gejagte?

 

Der Wolf (Canis lupus) ist vielleicht das sagenumwobenste Tier Europas. Selbst heute stellen sich noch viele Fragen: Gibt es wieder Wölfe in Europa? Sind sie gefährlich?

Wölfe und Menschen früher

In mittelalterlichen Zeiten rankten sich Legenden um den Wolf. Er galt als Gefahr für Mensch und Tier. Dabei entstanden vor allem Konflikte, weil Nutzvieh in oder in der Nähe von Wäldern gehalten wurde. Diese Tiere stellten eine einfache Beute für Wölfe dar. Durch den gemeinsam genutzten Lebensraum kam es auch zu menschlichen Opfern. Zudem wurde er lange Zeit mit Magie in Verbindung gebracht. Früher umfasste das Verbreitungsgebiet der Wölfe ganz Europa inklusive Russland, außerdem Teile Asiens mit Japan, Kanada, Nordamerika und die nördlichsten Regionen Afrikas.

Biologie

Wölfe stellen die Vorfahren unserer Haushunde dar. In der Natur leben sie in kleinen, Rudel genannten, Gruppen zusammen. Sie sind sehr ausdauernde Jäger, die vorwigend große Säugetiere wie Elche, Hirsche oder Wildschweine jagen. Sie leben vor allem in Wäldern und im Grasland. Ihr Sozial- und Familienleben ist sehr komplex – so findet beispielsweise eine gerechte Verteilung aller Aufgaben statt. Jungtiere werden von allen Rudelmitgliedern beschützt und ausführlich erzogen.

 

 

Die Situation heute

Die Verbreitung der Wölfe hat durch verschiedene Faktoren stark abgenommen. So wurden bis in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts oft Abschussprämien bezahlt. Diese glichen einem Kopfgeld – Wölfe wurden vom Jäger zum Gejagten. Dazu wurden ihre Lebensräume durch Siedlungen und Ackerbau eingeschränkt. Auch standen die Räuber bei ihrer Beute in enger Konkurrenz zu den Menschen, die ebenfalls gerne Wildfleisch verspeisten. Bald gab es in dem ehemals riesigen Verbreitungsgebiet nur noch wenige Archen für Überlebende. Dabei handelt es sich sehr häufig um unwirtliche und einsame Gebiete, beispielsweise im Gebirge.
Dann aber griff der Artenschutz ein. Viele Menschen verstanden, dass der graue Geselle kurz vorm Aussterben stand. Schnelle Rettung musste her. Deshalb wurden Schutzgebiete in verschiedenen Ländern eingerichtet, in denen sich die Bestände erholen sollten. Tatsächlich können heute wieder insgesamt 12.000-18.000 Individuen gezählt werden.
Diese Erholung der Bestände bringt aber auch neue Befürchtungen mit sich. Vor allem Bauern und die Landbevölkerung haben Angst. Werden die Rückkehrer ihr Vieh angreifen? Oder gar Wanderer in den Nationalparks und Schutzgebieten töten? Tatsächlich wurden in den letzten 50 Jahren jedoch nur neun Tote gezählt. Diese fielen zumeist tollwütigen Tieren zum Opfer. Denn eigentlich sind Wölfe sehr scheue Tiere, die den Menschen aus dem Weg gehen. Manchmal werden Nutztiere gerissen, allerdings werden in dem Fall Ausgleichszahlungen geleistet.

Fazit

Es gibt wieder Wölfe in Europa! Ganz langsam kehren Wölfe in einige Regionen Europas zurück. Hierzu zählen Gebirgszüge in Italien, einige Regionen im Baltikum und den Karpaten und den Pyrenäen. In Deutschland gibt es bislang nur sehr wenige Tiere. Um die Sorgen vieler Menschen zu beschwichtigen, muss jedoch noch viel aufgeklärt werden.

 

Autor: Kore (02.01.2016)

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