Misteln – Sagenumwobene Parasiten

Wer an Misteln denkt, hat wahrscheinlich unweigerlich den Druiden Miraculix aus Asterix & Obelix im Kopf, der die Pflanze als unentbehrliche Zutat seines Zaubertranks mit seiner goldenen Sichel hoch oben aus den Bäumen schneidet. Aber was steckt wirklich hinter der geheimnisvollen Pflanze?

Steckbrief & Lebensweise

In Deutschland kommt nur die sogenannte Weißbeerige Mistel (Viscum album) vor. Sie kann bis zu einen Meter im Durchmesser erreichen und wird vor allem im Herbst und Winter an den Bäumen sichtbar, wenn das übrige Laub herabfällt. Je nach Unterart werden verschiedene Laub- und Nadelbaumspezies besiedelt. Ob eine Baumart besiedelt werden kann, hängt von der Beschaffenheit ihrer Rinde ab. Misteln wachsen direkt an Ästen oder am Stamm ihrer Wirtsbäume, man erkennt sie leicht an ihrer runden, buschigen Form. Sie dringen mit Wurzelorganen, Haustorien genannt, unter die Rinde des Baums, und versorgen sich mit Wasser und Mineralstoffen. Da sie jedoch über ihre Blätter Photosynthese betreiben und so ihre eigene Energie produzieren, handelt es sich nur um Halbparasiten.
Durch das immer intensivere Verwachsen der Mistelwurzeln mit ihrer Wirtspflanze sind diese beiden ausgesprochen fest miteinander verbunden. Ihre Blätter sind länglich-oval, im Herbst werden etwa erbsengroße, weiß-durchsichtige Beeren entwickelt. Misteln können bis zu 70 Jahre alt werden, wobei es vorkommt, dass der Wirtsbaum aufgrund des Schmarotzertums geschädigt wird oder sogar vollkommen abstirbt. Mistelsamen werden vor allem durch Vögel weiterverbreitet, da einige Arten die Beeren verzehren und die Samen wieder ausscheiden.

 

mistelbeeren

Mistelbeeren

Inhaltsstoffe & Verwendung

Tatsächlich geht die Darstellung im Comic auf die früher in Europa übliche kultische Verwendung der Mistel zurück. Je nach Zeitalter oder Region wurden Misteln als Heilmittel gegen verschiedene Krankheiten eingesetzt oder auch als heilige Pflanzen verehrt. Heute ist der in vielen Ländern übliche Brauch bekannt, einander unter einem in der Weihnachtszeit in der Tür aufgehängten Mistelzweig zu küssen. Dieser soll auch als Glücksbringer für das neue Jahr gelten.
Vor allem Mistelfrüchte enthalten mehrere toxische Inhaltsstoffe, durch die sie leicht giftig sind. Allerdings ist die Wirkung schwach genug ausgeprägt, als dass Mistelblätter an Weidevieh verfüttert werden können und auch Misteltee kein Risiko für gesunde Erwachsene darstellt. In der Medizin werden Mistelpräparate vor allem in der Therapie von verschiedenen Gelenksentzündungen eingesetzt. Noch überprüft wird eine mögliche Wirksamkeit bei Bluthochdruck. Einige Alternativmediziner glaubten an eine Wirkung gegen Krebs, diese konnte jedoch in entsprechenden Studien nicht belegt werden. Die Ansicht geht in erster Linie auf antike Vorstellungen zurück, nach denen Pflanzen entsprechend ihres Aussehens oder ihrer Lebensweise als ähnlich wahrgenommene Beschwerden heilen.

Autor: Kore (03.12.2016)

Bilder: Pixabay

mistelbaum

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