Faszination in nur 2 Gramm

Die Familie der Kolibris (Trochilidae) kommt ausschließlich auf dem amerikanischen Kontinent vor und ist berühmt dafür, die kleinsten Vögel der Welt zu beinhaltet. Die allerkleinste ihrer Arten stellt die Bienenelfe (Mellisuga helenae) dar.

Sie misst von der Schnabel- bis zur Schwanzspitze gerade 6 Zentimeter und wiegt nur 1,6 Gramm – ungefähr so viel wie eine Heidelbeere. Doch die winzigen Vögel verbergen noch eine ganze Reihe weiterer Besonderheiten.

Steckbrief

Kolibris haben unterschiedlich lange Schnäbel – die längsten messen bis zu 10 Zentimeter – doch sie vereint eine außergewöhnlich lange Zunge. Diese ist innen hohl und wird genutzt, um Nektar zu trinken. Im Gegensatz zu anderen Vögeln setzen sich Kolibris dabei nicht auf Blütenbestandteile, sondern trinken im Flug. Gelegentlich werden allerdings auch Insekten verspeist. Kolibris verfügen über ein buntes, oft in verschiedenen Farben schillerndes Gefieder, wobei dieser Effekt durch Reflexion hervorgerufen wird.
Die kleinen Vögel zeichnen sich durch eine ganz besondere Flugtechnik, den Schwirrflug, aus. Dabei erreichen sie Frequenzen von bis zu 50 Schlägen pro Sekunde – mehr, als das menschliche Auge wahrnehmen kann. Dies befähigt sie zum Stillstand in der Luft, aber auch zu akrobatischen Manövern wie dem Flug rück- und seitwärts. Allerdings ist auch die enorme Beweglichkeit aller beteiligten Gelenke dafür verantwortlich. Bezogen auf ihre Größe sind sie zudem die schnellsten Wirbeltiere der Welt – im Verhältnis schneller als Raubvögel und sogar Militärflugzeuge.
Aufgrund ihres geringen Körpervolumens und des hohen Muskelanteils haben Kolibris einen extrem schnellen Stoffwechsel und hohen Energieverbrauch. Das führt dazu, dass sie ihren Tagesbedarf nur decken können, wenn sie die Nachtstunden im sogenannten Torpor verbringen. Dieser Zustand übersteigt den normalen Schlaf, da sämtliche Körperfunktionen extrem gesenkt werden. Der Vogel klammert sich an einem Ast oder anderem Untergrund fest und verfällt in vollkommene Lethargie. Er nimmt dabei weder Geräusche noch Berührungen wahr. Auch die Körpertemperatur wird deutlich gesenkt – auf diese Art können Kolibris die notwendige Energie sparen.

Kolibri nest

Kolibri im Nest

Kolibris und Spinnen

Denkt man an dieses Verhältnis, kommt einem zunächst in den Sinn, dass Vogelspinnen ihren Namen tragen, weil sie gelegentlich kleine Vögel erbeuten. Kolibris allerdings haben gelernt, Spinnen in ihrer Umgebung sinnvoll zu nutzen. Dabei fliegen sie deren Netze bewusst an, um dort Spinnweben zu stehlen. Diese werden gesammelt und aufgrund ihrer flexiblen Struktur als praktisches Nestbaumaterial eingesetzt. Dabei machen sich Kolibris auch die Klebrigkeit der Spinnfäden zunutze, denn durch diese werden andere Materialien wie Pflanzenteile, Moose, Blätter und Flechten zusammengehalten. Diese Konstruktion verleiht ihren Nestern erheblich mehr Stabilität und Widerstandsfähigkeit.

Autor: Kore (21.08.2016)

Bilder: Pixabay

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